
Lachender Zweiter? Andy Vajnas Kaufvorhaben scheint um zwei Tage zu spät eingegangen zu sein. Vorerst. (Fotos: MTI)
Seit Donnerstag vergangener Woche werden die ungarischen Medien von einem Thema beherrscht: Wer hat den TV-Sender TV2 gekauft? Ungarn wäre nicht Ungarn, wenn eine mehr oder minder einfache Transaktion nicht auch gleichzeitig mit jeder Menge Ungereimtheiten verbunden wäre.
Doch was war geschehen? Am Dienstag bereits machte die Nachricht die Runde, Filmmogul Andy Vajna habe den kommerziellen Sender TV2 gekauft. Das Portal figyelő.hu machte zuerst darauf aufmerksam und berichtete, dass die Verträge nach zweimonatigen Verhandlungen bereits unterschrieben seien. Das Geschäft haben Andy Vajna und Zsolt Simon sowie Yvonne Dederick vonseiten des TV-Senders festgemacht. Dabei kommt das Interesse des Orbán-Vertrauten Vajna keineswegs überraschend. Schon früher berichete das Portal Vs.hu über sein Interesse am Sender und auch index.hu schrieb, dass Vajna nicht deshalb ins Fernsehgeschäft einsteigen wolle, weil ihm jetzt der Sinn danach steht, sondern weil der Fidesz dringend einen Sender benötigt, der die Interessen der Regierung vertritt und nichts hinterfragt. Zwei Tage später nahm das Verwirrspiel seinen Lauf.
Falle für Vajna?
Denn an diesem Tag teilte die zum Simicska-Vertrauten Károly Fonyó gehörende Megapolis Media Zrt. mit, man habe sich von Yvonne Dederick und Zsolt Simon getrennt. Außerdem sei der Sender TV2 bereits seit zwei Tagen in ihrem Eigentum, Andy Vajna hätte so den Zuschlag schlicht nicht erhalten dürfen. Binnen Stunden gab Vajna daraufhin eine Presseerklärung heraus, in der zu lesen war, er habe sehr wohl den Sender gekauft. Das Hin und Her setzte sich über das Wochenende fort, ebenso schossen die Spekulationen ins Kraut. Am Dienstag gab es dann jedoch Gewissheit: Der Sender geht an Simicska.
Károly Fonyó, der Geschäftspartner Simicskas, machte es am Dienstag offiziell. Einen Tag zuvor hatte das Handelsregister die Eingabe Fonyós offiziell angenommen und bestätigt, er habe zwei Tage vor Vajna des Geschäft um TV2 dingfest – nur eben nicht öffentlich – gemacht.
Nun bleibt das große Rätselraten nach dem „Warum”. Warum hielt Fonyó mit der Information hinterm Berg und warum ließ er Vajna, Dederick und Simon erst den eigenen Deal öffentlich machen, um kurz darauf mitzuteilen, dass das alles hinfällig sei?
Die linksliberale Tageszeitung Népszabadság zitiert dazu einen Vertrauten Simicskas. Zwar hätte Fonyó bereits im vergangenen Jahr in dieser Sache aktiv werden können, aber „sie warteten, bis die Fliege der Spinne ins Netz geht”. Gemeint sein kann hier nur Andy Vajna, schließlich ist es kein Geheimnis, dass das Verhältnis zwischen Premier Viktor Orbán und seinem ehemaligen Gönner und Vertrautem Lajos Simicska seit geraumer Zeit alles andere als wolkenlos ist (die Budapester Zeitung berichtete).
Unklare Verhältnisse
Noch im Laufe des Dienstags änderten sich jedoch die Verhätnisse: Sah es zuerst so aus, als ob Fonyó mit seiner Eingabe der Kaufabsicht am 13. Oktober einen klaren Sieg davontrug, ist dies keineswegs so sicher. Denn Fonyó gab seine Kaufabsicht für die Firmen CCA und D6D ein, jene zwei Firmen, welche die Basis des TV-Senders bilden. Allerdings, so schreibt die Népszabadság, habe Fonyó sich diesen Kauf nicht im Vorfeld vom Kartellamt genehmigen lassen. Dabei ist dies zwingend erforderlich. Andy Vajna könnte sich diesbezüglich also berechtigte Hoffnungen machen, dass der Kauf doch noch zu seinen Gunsten entschieden wird.
Dabei hatte Fonyó bereits 2013 ein Vorkaufsrecht von Yvonne Dederick und Zsolt Simon erhalten. Diese bestreiten jedoch vehement, an solch einem Geschäft teilgenommen zu haben, waren es doch auch sie, die den Sender an Andy Vajna verkaufen wollten. Tatsächlich gibt es hier zahlreiche ungeklärte Fragen: Haben die von Dederick und Simon unterschriebenen Dokumente Rechtskraft? Lässt sich trotz der Veränderungen innerhalb der Firmenstrukturen Fonyós Vorkaufsrecht ableiten? Und könnte nicht gar das am Montag eingegebene Kaufverfahren eben aufgrund dieser „Formalie” doch noch kippen?
Innerhalb des Senders selbst heißt es derzeit, abwarten und Tee trinken. Wie die Népszabadság berichtet, scheint man von den Übernahmeplänen durch Károly Fonyó nur bedingt begeistert. So habe man bullige Securities an den Türen postiert, sollte Fonyó doch auf einen Sprung im Sender vorbeischauen.


