Die stechend blauen Augen sind nach oben gerichtet, die feingliedrigen Hände greifen sicher nach den Bällen, der ganze Körper ist in Spannung, aber nicht angespannt. Balázs Bosznay, besser bekannt unter dem Spitznamen Husky, ist Jongleur mit Leib und Seele – und auch von Beruf.

Überraschend schnell:
Die Grundlagen der Drei-Bälle-Jonglage sind laut Husky in nur 20 Minuten zu erlernen (BZT-Fotos: Norá Halász)
Mehr als zehn Jahre ist es her, dass Husky das erste Mal Blumenstöcke in der Hand hielt: „Ich war 16 und ein neuer Nachbar zog ein. Ich sah ihn draußen jonglieren und auf einmal drückte er mir die Stöcke in die Hand und sagte „Los, spiel auch mal damit!“ und seitdem weiß ich, dass es wirklich ein tolles Spiel ist.“ Die Blumen-oder Jonglierstöcke sind noch immer seine Lieblinge, gibt er lachend zu. Doch wie wurde aus dem Hobby sein Beruf?
Mit Liebe zum Beruf
„Ich kam als Student nach Budapest, aber nach etwa eineinhalb Jahren an der Technischen Universität stellte ich fest, das ist nicht wirklich was für mich.“ Einem guten Freund, schon damals professioneller Jongleur, schüttete Husky damals sein Herz aus, dass er seine Zukunft nicht im Bereich der Verkehrswissenschaften sehe. Seine Antwort war kurz, aber wirkungsvoll: „Ach, dann kann aus dir noch ein Profi werden. Ich hab´ das früher auch studiert.“ Von da an war der Weg klar: „Ich arbeitete schon damals im Kulturraum Inspiral mit dem Ensemble Feuervögel (Tűzmadarak) und wusste von meinen Mitspielern dort, dass man als Profi-Jongleur überleben kann.“
Seitdem hat sich Huskys Leben zwar verändert, aber wer ihn über seinen Beruf oder vielmehr seine Berufung sprechen hört, möchte am liebsten selbst gleich zu Bällen und Ringen greifen. „Es gibt diese klassische Vorstellung, dass ein Jongleur täglich mehrere Stunden mit Training und Proben verbringt. Ich trainiere viel eher phasenweise, wenn ich Lust habe oder ich mich beispielsweise konkret auf einen Auftritt vorbereiten muss. Dabei gehe ich nie so an die Sache heran „Jetzt muss geübt werden!“, sondern ich bringe mich durch Musik in Stimmung und habe dann konkret Lust zu spielen.“ „Spielen“ ist das Zauberwort, denn genau das tut Husky: „Eben weil ich in der glücklichen Lage bin, mir das Üben so einzuteilen, dass ich immer auch Freude am Spielen habe, habe ich immer noch Spaß am Jonglieren.“
Neben den Jonglierstäben sind es aber auch die Keulen, mit denen Husky gern jongliert. „In Ungarn kennen viele die Keulen nur als „Clownskugeln“, aber das ist in etwa fachlich so treffend, wie einen Jongleur als Clown, oder einen Zauberer als Jongleur zu bezeichnen. Das sind unterschiedliche Kunstformen.“ Dabei ist es ihm am liebsten, Keulen mit Partnern zu werfen. Die aus vielen Zirkusnummern bekannte Attraktion ist dabei eine seiner absoluten Lieblingsformen der Jonglage, denn „die Partner müssen in absolutem Einklang sein“.
Die Passion weitergeben
Eben weil Husky sein Hobby zum Beruf gemacht hat, möchte er auch andere von diesem Sport, dieser Kunstform begeistern. „Vor zehn Jahren verbrachte ich den Sommer von einem Festival aufs nächste ziehend. Überall verkauften wir unsere selbstgefertigten Jonglier-Elemente, vor allem Bälle und Blumenstöcke. Um den Menschen Lust aufs Kaufen zu machen, haben wir vor Ort gezeigt, was man alles damit machen kann.“ Zurück zuhause dauerte es nur wenige Wochen, bis Husky den Trouble schmerzlich zu vermissen begann und gründete kurzerhand einen Jonglage-Club in seiner Geburtsstadt Komló. „Wir bekamen im Gemeindehaus einen Platz zum Üben und wurden als Gegenleistung gebeten, bei verschiedenen Programmen aufzutreten. Dort entstand schließlich die Idee, sich mehr mit dem Lehren zu beschäftigen.“ Bis heute ist das Weitergeben seiner Leidenschaft eine der Lieblingsbeschäftigungen Huskys. „Ich achte bei meinen Schülern vor allem darauf, dass ich wahrnehme, wo sie stecken bleiben. Dann können wir den Fehler gemeinsam angehen und schon klappt es meist.“ Der junge Mann hat dabei drei Grundregeln, an die er sich bei Workshops hält: „Erstens sollte das Spielen nicht anstrengend sein, also nicht in gefühlten Zwang umschlagen. Das wichtigste beim Hobby-Jonglieren ist, Spaß zu haben.“ Wenn beispielsweise ein Teilnehmer auf Biegen und Brechen mit drei Bällen jonglieren, es aber so gar nicht klappen will, richtet Husky seine Aufmerksamkeit lieber auf einen einfacheren Trick, oder eine andere Übung, bei der der Schüler ein Erfolgserlebnis haben kann, „und wir kehren dann einfach später zu den drei Bällen zurück.“ Dem Lehrer aus Leidenschaft ist es weiterhin sehr wichtig, dass das Wort „müssen“ bei ihm keinen Platz hat. „Lieber rede ich über Möglichkeiten, wie ich in den vergangenen zwölf Jahren meine Tricks gelernt und entwickelt habe.“ Als Drittes achtet Husky darauf, seine Schüler zu motivieren und zu loben: „Oft ist es so, dass Teilnehmer an Workshops oder Kinder ungläubig schauen, wenn ich ihnen sage, die Grundlagen der Drei-Bälle-Jonglage sind in 20 Minuten zu erlernen. Damit aber während dieser 20 Minuten und den etwa neun dahin führenden Schritten nicht der Mut verloren geht, lobe ich viel.“
Nicht nur für Kinder

Selbstgemacht: Husky weiß, worauf es bei guten Jonglierbällen ankommt,
und fertigt deswegen für sich und seine Kollegen gern auf Bestellung.
Wer jedoch glaubt, dass Husky nur zu Kinderfesten und Geburtstagen gerufen wird, der irrt gewaltig: „Früher war es tatsächlich so, dass ich fast ausschließlich zu Kinderfesten gerufen wurde. Heute hat sich das aber absolut geändert.“ Vor gar nicht langer Zeit beispielsweise sei er zu einer Fachtagung zum Thema Erfolgsrezepte für Geschäftsführer eingeladen worden. „Es waren etwa 130 Menschen anwesend, alle in Anzug und Krawatte oder Kostüm.“ Husky lächelt noch immer bei der Erinnerung, was für ein tolles Gefühl es war, dass etwa 90 der anwesenden Manager und Geschäftsführer absolut offen waren, kurzerhand die Krawatten ablegten, die Hemden hochkrempelten und bereit waren, jonglieren zu lernen. „Das war einfach genial! Das war die motivierteste Gruppe, mit der ich je gearbeitet habe. Niemand hat daran gezweifelt, dass man Jonglieren in 20 Minuten lernen kann, vielmehr herrschte die Auffassung: „Gut, hier hast du meine 20 Minuten, gib mir dein Wissen und wir schauen, was daraus wird“.“ Und wer die Bälle nach so einem Erlebnis gar nicht mehr aus der Hand geben mag, der kann bei Husky einen kleinen, aber intensiven Kurs belegen, „wobei es aber keineswegs darum geht, „so, jetzt kann ich mit drei Bällen jonglieren, jetzt möchte ich mich auf vier Bälle steigern“, sondern vielmehr zeige ich Drei-Bälle-Tricks, die dann später mal das Jonglieren mit vier Bällen viel leichter erlernen lassen.“ Und immer wieder gibt es bei Workshops Momente, die ihm zeigen, er hat den richtigen Weg eingeschlagen: „Bei einem Workshop habe ich etwa 30 Elemente dabei, aber nur zwei Augen, mit denen ich auch nur in eine Richtung schauen kann. Manchmal kann ich jemandem nicht sofort so viel Aufmerksamkeit widmen, wie er vielleicht bräuchte. Aber wenn ich sehe, dass jemand sich beispielsweise schon eine Weile erfolglos am Drehen der Teller versucht und es einfach nicht klappt und er schon aufgeben will, lasse ich alles Andere stehen.“ Denn nur wenige Dinge bereiten dem passionierten Lehrer so viel Freude, wie der Moment, wenn es dann, mit ein wenig fachkundiger Anleitung, doch klappt mit dem Balancieren.
Große Pläne und viel Spielzeug
Zwar ist Husky seit etwa zehn Jahren als professioneller Jongleur unterwegs, aber noch keinesfalls müde. Ganz im Gegenteil: „In Deutschland gibt es an fast jedem Wochenende irgendwo ein Jongleur-Treffen. Das würde ich mir auch in Ungarn wünschen.“ Dabei geht es ihm nicht um Professionalismus, sondern um die Freude am Spielen. „Die Grundlagen sind wirklich in 20 Minuten zu erlernen und von da an kann man sich mit neuen Tricks auch allein auseinandersetzen.“ Gern würde Husky die Jonglage auch als Teil des Sportunterrichts an Schulen sehen. „An Waldorf-Schulen gibt es das bereits, dass die Kinder dort die Drei-Bälle-Jonglage erlernen“, erklärt er. Wohltätige Wirkungen auf die Hand-Augen-Koordination und Reflexe sind dabei nur einige: „Ich liebe es, wenn ich versehentlich etwas vom Tisch stoße und noch bevor diese etwas den Bruchteil des Weges zum Boden getan hat, habe ich es schon in der Hand. Und während ich es zurück stelle, wird mir bewusst, dass ich im Bruchteil einer Sekunde überdacht habe, wie wird es fallen, wie kann ich es am besten auffangen. Das ist einfach ein geniales Gefühl und das habe ich dem Jonglieren zu verdanken.“
Der junge Mann mit den markanten Augen ist dabei ein Meister vieler Elemente. Neben seinen Lieblingen, den Keulen und den Blumenstöcken jongliert er auch mit Bällen. Aber auch die Elemente der Flow Art genannten Jonglage sind ihm nicht fremd: „Es gibt einmal ganz klassisch die sogenannten „Hocker-Jongleure“. Mit Bällen, Keulen und Ringen geht es vor allem darum, komplizierte Tricks zu zeigen, hier steht vor allem die Technik im Vordergrund beziehungsweise wird eben alles geworfen und in der Luft gehalten. Beim Flow Art gibt es keine so starre Ausführung, da die Elemente einfach mehr Spielraum zulassen.“ Flow Art Elemente sind beispielsweise die oft auf Festivals zu sehenden Pois, aber auch das Diabolo oder Hoops, also Reifen. „Ein bisschen schäme ich mich ja dafür als professioneller Jongleur, aber mit den Pois kann ich nicht wirklich etwas bisher.“ Dies soll sich aber in naher Zukunft ändern. Was sich hoffentlich jedoch nie ändern wird, ist seine Liebe zum Spiel, denn die ist in jeder seiner Bewegungen sowohl auf der Bühne, als auch im Unterricht zu spüren. Und vielleicht macht ihn ja gerade das zu einem der Besten seines Fachs.
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