Der Budapester Sommer ist heiß und aufregend, doch nicht nur Einheimische sehnen sich in der Hitze auch mal nach ländlicher Ruhe. Auch viele Expats brechen am Wochenende zu Wandertouren in den Bergen auf oder statten dem „ungarischen Meer“, dem beliebten Plattensee, einen Besuch ab. Doch nur eine Stunde von Budapest entfernt wartet in der überschaubaren Stadt Tata eine Sehenswürdigkeit darauf, von in- und ausländischen Touristen entdeckt zu werden.
„Ich komme ursprünglich aus Komárom, was nur etwa 20 Kilometer von Tata entfernt liegt“, erzählt Judit Nedeczky. Die 23-jährige Wahl-Budapesterin erkundete vor Kurzem gemeinsam mit ihrer Familie einen Teil Tatas, den selbst sie nicht kannte und war von der Entdeckung positiv überrascht, wie sie der Budapester Zeitung erzählt. Dabei handelt es sich um den Lehrpfad „Fényes“ (deutsch: glänzend, hell), benannt nach dem gleichnamigen Bach. In unmittelbarer Nachbarschaft und nur etwa anderthalb Kilometer vom Stadtzentrum entfernt befindet sich auch das Schwimmbad Fényes, das nach dem Ablaufen des Lehrpfades Erfrischung bietet.
Die Idee, den Lehrpfad auszubauen, hatte die Stadt bereits seit Jahren. Bis zur Verwirklichung dauerte es eine Weile und es scheint, auch am Marketing für die Sehenswürdigkeit müsste noch gefeilt werden, ist dieser Teil Tatas doch den meisten unbekannt. „Wer sich für Ökotourismus und für die Natur im Allgemeinen interessiert, dem wird der Lehrpfad mit Sicherheit gefallen“, so Judit. „Ich hoffe, dass mehr Menschen davon erfahren.“
Infotafeln auch in deutscher Sprache
Begonnen hatte alles im Herbst 2012, als die Selbstverwaltung der Stadt Tata finanzielle Unterstützung zur „Entwicklung einer touristischen Attraktion“ beantragte. Nach der Genehmigung begannen die Bauarbeiten im Dezember 2013 und konnten im November des Vorjahres abgeschlossen werden. Idee war es, die „Fényeser Quellen“, die der Mittelpunkt des Lehrpfades sind, vom Gelände des Schwimmbades abzutrennen und die Besonderheit dieses Ortes über ungarisch-, englisch- und deutschsprachige und in Brailleschrift geschriebene Informationstafeln deutlich zu machen.
Zwischenüberschrift: Einzigartige Tier- und Pflanzenwelt
Als Bruchwald, sumpfiger Wald also, wird das nassgrüne Naturgebiet bezeichnet, das man in Tata ganzjährig besuchen kann. 1973 versiegten die Karstquellen aufgrund des örtlichen Bergbaus – nachdem dieser eingestellt wurde, konnten sich Bruchwald und -wiesen in den Nullerjahren jedoch wieder rückentwickeln. Aus den Quellen bricht leicht kohlensaures, 21 bis 22 Grad warmes Wasser hervor, was auch im Winter dafür sorgt, dass sich keine Eisschicht auf dem Wasser bildet. Kein Wunder, dass sich unter diesen Umständen eine einzigartige, reichhaltige Tier- und Pflanzenwelt im Bereich der Fényeser Quellen entwickelt hat. Pflanzen wie der seltene Spinnen-Ragwurz, die weiße Seerose und der Hahnenfuß blühen in dem Gebiet, und die Waldohreule, das Tüpfelsumpfhuhn und die geschützte Moorente sind nur einige der Vögel, die man in Tata mit ein wenig Glück beobachten kann. Auf Letztere konnte auch Judit bei ihrem Besuch einen Blick erhaschen. „Wir haben aber auch Schildkröten und Frösche gesehen“, so die Vertriebsangestellte.
Geheimnisse der Karstquelle
Judit und ihre Familie waren eigentlich zu einer Musikveranstaltung nach Tata gekommen, die jedes Jahr bei der Burg stattfindet. „Es war ein Samstag und vorher wollten wir uns den Lehrpfad ansehen. Obwohl Wochenende war und das Wetter schön, konnte man sich bequem umsehen. Die Anlage ist ohnehin groß genug, dass sich auch größere Menschenmengen gut verteilen“, berichtet die junge Frau begeistert. Es sei ein besonderes Erlebnis gewesen, etwas über die Naturschätze der Umgebung zu erfahren, und anstatt diese Informationen trocken zu vermitteln, wird der Besucher interaktiv mit einbezogen. An insgesamt 18 Stationen erfährt man alles Wissenswerte rund um den Bruchwald und die Karstquelle. Diese wurde, wie Judit erzählt, lange Zeit gar nicht entdeckt, da man sich nicht in das sumpfige Gebiet gewagt hatte. Heute vermuten Experten, dass hier täglich insgesamt 2.400 Kubikmeter Wasser aus dem Boden sprudeln. „An einer Stelle des Lehrpfades sieht man die ungeheure Menge an Wasser, die die Karstquelle hervorbringt, und den Druck, mit dem dies geschieht, weil das Quellwasser in eine Röhre geleitet wird“, erinnert sich Judit. Auch diese kreativen Darstellungsweisen entlang des Lehrpfades tragen dazu bei, dass hier vergangenes Jahr ein echter Geheimtipp für Naturliebhaber entstand.
Damit sich auch die Kleinsten nicht langweilen, können sie auf einem Spielplatz umhertoben, über eine Hängebrücke schreiten und der Natur durch Bootfahren noch näher kommen – was den Erwachsenen mindestens genauso viel Spaß bereitet. Im Besucherzentrum werden außerdem noch weitere Informationen vermittelt.
Die Stadt Tata mit rund 25.000 Einwohnern liegt knapp 70 Kilometer entfernt von Budapest und ist über die Autobahn M1 innerhalb weniger als einer Stunde bequem zu erreichen.
Lehrpfad „Fényes“
Öffnungszeiten:
- März bis 15. Oktober: Montag bis Sonntag 9 bis 18 Uhr
- Oktober bis 14. März: 9 bis 15 Uhr
Eintrittspreise:
Sommerpreis für Erwachsene: 1.300 Forint – Winterpreis: 900 Forint
Familienpreis im Sommer: 3.000 Forint – im Winter: 2.000 Forint
www.tataifenyestanosveny.hu




