
Zweideutige Befragung: Kritiker unterstellen Premier Viktor Orbán, mit der „Nationalen Konsultation“ auch der rechtsradikalen Jobbik den Wind aus den Segeln nehmen zu wollen. (Foto: MTI)
Ministerpräsident Viktor Orbán redete am Freitagmorgen vergangener Woche in Sachen Einwanderung Klartext: „Europa braucht keine Einwanderer, viel eher braucht es eine gute Familien- und Beschäftigungspolitik.“ Wobei er noch anfügte: „Wir können kein Schweizer Käse sein, wo jeder ein und aus gehen kann.” Wenige Stunden nach den unmissverständlichen Worten des Regierungschefs preschte die Regierung mit dem Plan vor, zum Thema Zuwanderung eine sogenannte Nationale Konsultation zu initiieren.
Laut der Regierung Orbán kann die Verabschiedung strengerer Einwanderungsgesetze nicht mehr länger aufgeschoben werden. Zu diesem Zweck werden im Rahmen der Nationalen Konsultation insgesamt zwölf Fragen an die wahlberechtigten Ungarn gestellt, die sich auf die Einwanderung allgemein, die sozial motivierte Zuwanderung und zum Teil auf den Terrorismus beziehen.
In einer Presseerklärung der Regierungspartei Fidesz heißt es, inzwischen sei auch die Europäische Union zu dem Schluss gekommen, dass im Hinblick auf die stetig wachsenden Flüchtlingsströme in Richtung Europa schnellstmöglich gehandelt werden muss. „Nachdem das ungarische Volk seine Meinung kundgetan hat, werden die Regierungsparteien auf Geheiß der Regierung daran gehen, Einwanderungsbestimmungen zu schaffen, die weit strenger sind als die gültigen europäischen Regeln, kann doch die Lösung des Problems nicht mehr länger aufgeschoben werden.“ Der Fidesz weist in der Erklärung darauf hin, dass im ersten Quartal dieses Jahres bereits mehr als 33.000 Asylanträge gestellt worden seien. 2014 seien im gesamten Jahr rund 42.000 Anträge gestellt worden, vor zwei Jahren aber nur etwa 2.000.
Nationale Konsultation: Zwölf Fragen zur Einwanderung
Bis zum 1. Juli haben alle wahlberechtigten Ungarn Zeit, die zwölf Fragen der Nationalen Konsultation zu beantworten. Dies sagte Regierungssprecher Zoltán Kovács am vergangenen Freitag in Budapest. Nach den Worten von Kovács werden die mehr als acht Millionen Fragebögen von Anfang Mai an verschickt. Die von den Wahlbürgern ausgefüllten Fragebögen werden von der Zentralbehörde für administrative und elektronische öffentliche Dienstleistungen (KEKKH) ausgewertet. Laut Schätzungen der Regierung wird die Konsultation rund 960 Millionen Forint kosten. Wie Kovács sagte, werden sich die Fragen unter anderem auch darauf beziehen, ob in Ungarn trotz EU-Verbot illegale Einwanderer länger als 24 Stunden in Gewahrsam genommen werden können.
Die Regierung wartet auch auf eine Antwort auf die Frage, ob Zuwanderer, die nur darauf aus sind, die „zur illegalen Migration ermutigenden“ europäischen Regeln auszunutzen, umgehend abgeschoben werden können. Eine andere Frage im Rahmen der Konsultation bezieht sich darauf, ob die illegalen Einwanderer die „von ihnen generierten Kosten“ für den ungarischen Staat mittragen sollen. Der Regierungssprecher erklärte, dass das Parlament auf Grundlage der ausgewerteten Fragebögen „entsprechende Reaktionen auf die illegale Einwanderung zeigen wird“.
Der Regierungssprecher betonte ferner, dass der Standpunkt Ungarns in Sachen illegaler Einwanderung von jenem der Europäischen Union nicht grundlegend abweiche. Auch die ungarische Regierung vertrete die Meinung, dass das Problem „an der Wurzel“ behandelt werden müsse. Dies bedeute, dass in jenen Ländern, aus denen viele Menschen in Richtung Europa flüchten, Rahmenbedingungen geschaffen werden müssten, unter denen die „sozialen Migranten“ erst gar nicht auf die Idee kommen, auszuwandern. Kovács merkte auch noch an, dass Ungarn zu jenen EU-Staaten gehört, wo der Einwanderungsdruck besonders groß sei. Deshalb seien sofortige Maßnahmen, insbesondere im Mittelmeerraum, unbedingt notwendig, betonte er.
Einwanderung weder im Interesse Ungarns noch der EU
Auch der Abgeordnete des Fidesz, László Posán, hielt am Montag dieser Woche im Parlament eine Pressekonferenz ab, um sich im Namen seiner Partei zu den Themen Einwanderung und Nationale Konsultation zu äußern. Posán sagte, dass es weder im Interesse Ungarns noch der EU sei, dass illegale Einwanderer aus anderen Kulturen massenweise nach Europa strömen, da dies zu „außerordentlich vielen Konflikten des Zusammenlebens“ führe.
Er betonte: Als Abgeordneter des Wahlkreises Debrecen sei er sich Klaren darüber, welche Probleme ein Flüchtlingslager im Alltag einer ungarischen Stadt mit sich bringe. In der ostungarischen Stadt Debrecen befindet sich seit langer Zeit ein Flüchtlingslager. Wie der Fidesz-Politiker erklärte, haben die Probleme mit dem EU-Beitritt Ungarns (2004) ihren Anfang genommen, als die bis dahin „relativ geschlossenen Lager“ geöffnet worden seien.
Posán hält nicht viel von „politisch korrekten“ Äußerungen. Diese seien vor allem zur Verhüllung von Problemen geeignet. Deshalb stellte er rundheraus die Frage in den Raum: Welche Eltern würden sich schon darüber freuen, wenn „sechs Schwarzafrikaner mit drohender Geste und einschüchterndem Ton“ ihr aus der Schule heimfahrendes Kind im Bus umstellen würden. Wie der Fidesz-Abgeordnete sagte, kommen und kamen solche Fälle in der Nähe von Flüchtlingslagern immer wieder vor.
In Debrecen etwa sei ein ungarischer Familienvater von drei nigerianischen Männern verprügelt worden, zwei algerische Männer wiederum hätten mit Messern bewaffnet eine Schülerin ausgeraubt. Posán wies darauf hin, dass Ungarn zu jenen EU-Ländern gehöre, in denen die meisten illegalen Migranten aufgegriffen würden. Seit 2012 hätte sich die Zahl der illegalen Zuwanderer in Ungarn um das Zwanzigfache erhöht. „Die diesjährigen Zahlen sind noch erschreckender“, betonte er.
Posán redete schließlich Einzellösungen das Wort. Wenn die EU es nicht vermag, der Frage der illegalen Einwanderung auf einer gesamteuropäischen Ebene zu begegnen, dann muss es möglich gemacht werden, dass die Mitgliedsstaaten eigenmächtig Gesetze verabschieden, um das Problem zu lösen, so der Fidesz-Politiker. Er verwies darauf, dass die demokratisch verfassten USA ihre Südgrenze (Mexiko) mit Stacheldraht und Mauern schützten und sogar auf illegale Grenzgänger schössen, während die EU weltweit eine der größten Flüchtlingsanlaufstationen sei. Auf lange Sicht, so Posán, sei dies nicht aufrechtzuerhalten.
Opposition: Die einen freuen sich, die anderen üben Kritik
Die rechtsradikale Partei Jobbik begrüßte die Initiative der Regierung, in der Einwanderungsfrage eine Nationale Konsultation abzuhalten, ja überhaupt das „Problem der Zuwanderung“ erkannt zu haben. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Partei, Dániel Z. Kárpát, äußerte in einer Aussendung am vergangenen Freitag jedoch Zweifel daran, dass das Problem der illegalen Zuwanderung in jenen Ländern gelöst werden könne, aus denen die Flüchtlinge kommen. Vielmehr forderte Z. Kárpát, die Grenzen Ungarns besser dicht zu machen und die offenen Flüchtlingslager zu schließen. Er verlangte überdies die sofortige Rehabilitierung des Grenzschutzes, der vor wenigen Jahren der Polizei eingegliedert worden war.
Die linksliberale Oppositionspartei Demokratische Koalition (DK) bezeichnete die Initiative Viktor Orbáns zur Abhaltung einer Nationalen Konsultation als „niederträchtig und menschenfeindlich“. Laut DK wollen Orbán und der Fidesz gegen die vom Schicksal geschlagenen Einwanderer Stimmung machen und sie kriminalisieren.
Mit einem Fragebogen, der für jeden humanistisch denkenden Menschen inakzeptabel sei, wolle Orbán den Popularitätsverlust des Fidesz und seiner eigenen Person aufhalten – auch die linksliberale Tageszeitung Népszabadság sieht in der Ausschlachtung des Einwanderungsthemas durch Orbán, den Versuch des Premiers, bei rechten Wählern zu punkten. Die DK geht sogar davon aus, dass Orbán und der Fidesz um die fremdenfeindlichen Jobbik-Wähler buhlten und dafür auch noch eine Milliarde Forint an Steuergeldern verprassten.
FPÖ protestiert gegen ungarische Arbeitsmigranten
In der burgenländischen Ortschaft Halbturn, die an der österreichisch-ungarischen Grenze gelegen ist, demonstrierte derweil die rechtspopulistische Partei FPÖ gegen die vielen Arbeitsmigranten aus Ungarn. Der regionale FPÖ-Politiker Johann Tschürtz betonte bei der Demonstration, dass der Grenzschutz zwischen Österreich und Ungarn verstärkt werden müsse. Er betonte zudem, die FPÖ wolle sicherstellen, dass die Arbeitsplätze im Burgenland vor allem von Burgenländern ausgefüllt werden. Wie Tschürtz sagte, kommen rund 350.000 Magyaren nur zum Arbeiten nach Österreich.



fodor gábor hat einen alternativvorschlag:
https://youtu.be/e-x4iIDEF2I
hier der originalfrageborgen:
http://www.pesterlloyd.net/18fragen12.jpg
Ich wurde in einem künstlich hergestellten Vielvölkerstaat geboren (Jugoslawien)und habe dessen Zerfall miterlebt. Jugoslawien wurde ca. 1945-65 zusammengehalten von blankem Terror, ca. 1965 -80 durch eine wirtschaftliche Scheinblüte (deutsche Reparationen, Finanzhilfen aus dem Westen, billige Rohstoffe aus der UdSSR, die Überweisungen der Gastarbeiter). Als die Wirtschaft ins Stottern geriet, waren der Zusammenbruch und das Blutbad nur noch eine Frage der Zeit.
Die Nationalisten in Europa haben Unrecht, wenn sie von einer reinblütig-völkischen Vergangenheit schwärmen. Undurchlässige Grenzen sind ein Produkt des 19. Jahrhunderts, Einwanderung hat es immer gegeben. Ungarn brauchte im Mittelalalter die deutschen Ritter, Kaufleute, Bauern und Handwerker; im 18. Jahrhundert die Donauschwaben. Und Deutschland brachte die Hugenotten und Waldenser, die polnischen Bergleute des 19. Jhs, die Gasttarbeiter in der Zeit von etwa 1955-75.
Aber kein Volk braucht eine sinn- und hirnlose unkontrollierte Masseneinwanderung, die über kurz oder lang zu sozialen und ethnischen Problemen führen wird. Huntington und andere beklagten, dass sogar die USA aufgehört haben ein Melting Pot zu sein. Die Hispanics sind nicht integrierbar, von den Konflikten zwischen Schwarzen und Weißen zu schreiben, ist wohl überflüssig. Wer in Deutschland in türkischen Läden einkaufen geht, wird sehr schnell merken, dass dort nicht einmal Araber oder Iraner arbeiten, von Nichtmuslimen ganz zu schweigen. Es ist ein ganz natürliches Bedürfnis des Menschen, in der Ferne seinesgleichen zu suchen. Wenn dabei kleine Gemeinschaften entstehen, die sich gegenseitig Wärme und Vertrautheit geben, aber in die Gesellschaft integriert sind, dann ist ist dies ein Gewinn für alle. Wenn aber Parallelgesellschaften entstehen, dann ist dies der erste Schritt zur Bildung künstlicher (nicht natürlich gewachsener) Vielvölkerstaaten und ethnischer Konflikte. Wer sich die jüngere Geschichte Frankreichs und Großbritanniens ansieht, wird dies nicht leugnen können.
Also: Einwanderung ja, aber nicht ohne Sinn und Verstand.
Bravo, wenn ich auch nichts von Orban halte., das ist aber der richtige Ansatz. Was in Deutschland und halb Europa in Sachen Einwanderungspolitik gemacht wird ist einfach ein Wahnsinn. Respekt das ein kleines Land wie Ungarn hier anscheinend eine Vorreiterrolle spielt und Klartext redet.Respekt. Es ist schlimm das Schicksal vieler Flüchtlinge, aber Europa kann nicht die Probleme dieser Welt lösen. Was ist denn mit Amerika und Australien. Sollen die aufnehmen. Komisch, da hört man nichts von. Nur dumm kluge und idiotische Kommentare.
Das macht Amerika: http://www.welt.de/politik/ausland/article134566399/Abschiebestopp-fuer-fuenf-Millionen-Einwanderer.html !!!