Von György Sebes
Die Frage, die sich jetzt stellt, lautet folgendermaßen: Wie lange ist der Fidesz noch imstande so zu tun, als hätte er erfolgversprechende Dominosteine in der Hand. Oder anders: Wann sieht der werte Ministerpräsident ein, dass das Spiel aussichtslos ist. Der Vergleich stammt übrigens von Viktor Orbán selbst. Da er einen Dominoeffekt befürchtete, trug er den Ministerien auf, ihr Geld, das sie bei diversen Brokerfirmen angelegt hatten, schleunigst zu retten.
Schließlich ist es schon gesetzeswidrig, wenn eine aus dem Staatshaushalt finanzierte Behörde bei einem Finanzdienstleister ihr Geld parkt. Aber was noch spannender ist, ist die Frage, über welche Informationen der Fidesz im Hinblick auf die weiteren – möglichen – Entwicklungen nach der Buda-Cash-Pleite verfügte. Denn dass sie Informationen hatte, darüber besteht heute kein Zweifel mehr. Woher? Wann? Warum?
Wenn allerdings der werte Ministerpräsident einen Dominoeffekt befürchtete, warum hat er dann nicht die „hart arbeitenden kleinen Leute“ und jene mehr als zwanzigtausend Menschen gewarnt, die ebenfalls bei Quaestor ihr Geld angelegt hatten. Warum hat er sich nur um das Vermögen der Ministerien gekümmert, als er aufgrund von Gerüchten entschied, eine allfällige neue Pleite auf Regierungsebene zu behandeln?
Verstrickungen zwischen Regierungsmitgliedern und Quaestor?
Es gibt natürlich auch dafür eine Erklärung. Nämlich jene Stränge – oder gar Verstrickungen –, die einzelne Mitglieder unserer Partei und Regierung mit den betroffenen Geschäftsleuten verbinden. Auf den Gipfeln der Macht bestand der dringende Bedarf, rasch an exakte Informationen über die drohenden Gefahren zu gelangen.
Denn es gab akuten Handlungsbedarf. Und allem Anschein nach wurde auch gehandelt. Der Ministerpräsident und sein Außenminister jedenfalls handelten definitiv, der Rest wird sich noch herausstellen. Man kann es drehen und wenden, wie man will, doch hat der Skandal jene Politiker, die dieses Land lenken, in ein schiefes Licht gebracht. Und dies ohne, dass Lajos Simicska auch nur einen einzigen Dominostein in Bewegung gesetzt hat.
Von diesem Skandal werden sie sich nur schwer reinwaschen können. Selbst dann, wenn es sehr viele Fragen gibt und viele Details noch im Dunkeln liegen. Auch die Schritte des Quaestor-Chefs Csaba Tarsoly verlangen nach einer Erklärung. Denn wie kommt es, dass er seinen Posten zunächst einem moralisch anrüchigen Strohmann überantwortet, um aus einem brennenden Verantwortungsgefühl heraus nach einer Woche wieder selbst das Kommando zu übernehmen. Dies gehört doch in die Welt des Kabaretts.
Selbst dann, wenn er sagt, dass ein wie immer gearteter Wechsel an der Spitze eines Unternehmens niemanden davon befreit, Verantwortung für vergangene Verwerfungen zu übernehmen. Viktor Orbán und seine Gefolgsleute indes sollten sich diesen Satz hinter die Ohren schreiben.
Der Autor ist Kommentator der linken Tageszeitung Népszava. Der hier abgedruckte Text erschien am 26. März 2015 ebendort.
Aus dem Ungarischen von Peter Bognar
