Am 30. Juni erschien in der linksliberalen Tageszeitung Népszabadság ein Kommentar über ein neues Gesetz in Japan, das die Kinderpornographie verbietet. Der Kommentator (Sándor Révész) begrüßt darin, dass japanische Comics und Zeichentrickfilme mit kinderpornographischem Inhalt nicht verboten wurden. Der neutrale, freiheitliche Staat, so Révész, habe unter allen Umständen die Freiheit seiner Bürger zu gewährleisten, solange sie die Rechte ihrer Mitbürger nicht verletzen. Der konservative Blog Konzervatórium hat die Argumentation und Wortwahl des Népszabadság-Kommentars fast 1:1 übernommen, um provokant einem Nichtverbot der Verbreitung der Nazi-Ideologie das Wort zu reden.
Auch Pädophile sind Menschen
Von Sándor Révész
Vor kurzem war in den Medien eine Nachricht zu lesen, auf die es hierzulande wenig Resonanz gab. Gleichwohl ist der Inhalt der Nachricht, die Pädophilie, ein guter Maßstab dafür, um unser Verhältnis zur Freiheit zu testen.
Worum es geht: Das japanische Parlament hat kürzlich auch den Besitz von Kinderpornographie verboten – nachdem es früher bereits ihre Herstellung und Verbreitung mit einem Verbot belegt hatte. Es war höchste Zeit! In allen entwickelten Staaten der Welt ist dies bereits geschehen. In den vergangenen Jahren haben uns besorgniserregende Nachrichten über die rasante Verbreitung von Kinderpornographie in Japan erreicht.
Der ursprüngliche Gesetzesvorschlag hätte auch jene japanischen Comics und Zeichentrickfilme, Manga und Anime, verboten, die Kinderpornographie enthalten. Dieser Punkt wurde mit dem Hinweis auf die Meinungsfreiheit aus dem Gesetz gestrichen. Laut Reuters ist dies ein „klaffendes Loch” im Gesetz. Für mich jedoch ist es eine beispielhafte Entscheidung. In diesem Geiste sollten die Grenzen der Freiheit immer und überall gezogen werden. An unserer Haltung zu dieser Entscheidung kann abgelesen werden, wie wichtig wir den Grundsatz nehmen, wonach die Freiheit eines jeden bis zu jenem Punkt reicht, an dem wir die Rechte anderer nicht verletzen. Bis zu dieser Grenze sollten wir das Recht anderer, ihre sexuellen Begierden auszuleben, nicht in Zweifel ziehen – unabhängig von unserem guten Geschmack und unseren Moralvorstellungen. (…)
Es gibt viele sexuelle Begierden, wobei die Pädophilie die einzige ist, die weder mit Partnern noch Pornodarstellern befriedigt werden kann. Aus diesem Blickwinkel haben es unsere pädophilen Mitmenschen besonders schwer. Es wäre abwegig, ihre Situation mit Verboten zu erschweren, die nicht notwendig sind, um jemanden zu schützen. Das Comic-Kind existiert nicht. Was mit ihm passiert, schadet keinem Kind aus Fleisch und Blut. (…) Die Erlaubnis von Comic-Kinderpornos ist ein Signal an die Pädophilen, dass der neutrale, freiheitliche Staat nicht gegen sie gerichtet ist, sondern nur im Interesse und zum Schutz der Kinder handelt.
Auch Nazis sind Menschen
Von DOBRAY
Der ursprüngliche Gesetzesvorschlag hätte auch die Verbreitung der Nazi-Ideologie verboten. Dieser Punkt wurde mit dem Hinweis auf die Meinungsfreiheit aus dem Gesetz gestrichen. Laut Einzelnen ist dies ein „klaffendes Loch” im Gesetz, weil die Demokratie und die Würde jener Menschengruppen mit Füßen getreten werden, die Zielscheibe des Nazismus sind.
Für mich jedoch ist es eine beispielhafte Entscheidung. In diesem Geiste sollten immer und überall die Grenzen der Freiheit gezogen werden. An unserer Haltung zu dieser Entscheidung kann abgelesen werden, wie wichtig wir den Grundsatz nehmen, wonach die Freiheit eines jeden bis zu jenem Punkt reicht, an dem wir die Rechte anderer nicht verletzen. Bis zu dieser Grenze sollten wir das Recht anderer, ihre ideologischen Vorlieben nach Gutdünken auszuleben, nicht in Zweifel ziehen – unabhängig von unserem guten Geschmack und unseren Moralvorstellungen. (…)
Die Verbreitung der Nazi-Ideologie ist an und für sich kein Nazismus, der in die Praxis umgesetzt wird Für sich genommen schadet sie keinem Menschen aus Fleisch und Blut. (…)
Der Demokrat kann den Nazismus als Probe für die Demokratie betrachten, doch darf der ideologisch neutrale Staat jene Menschen nicht stigmatisieren, die der Nazi-Ideologie anhängen! Die Erlaubnis für die Verbreitung der Nazi-Ideologie ist ein Signal an die Nazis, dass der neutrale, freiheitliche Staat nicht gegen sie gerichtet ist, sondern nur im Interesse und zum Schutz jener Menschengruppen handelt, die von ihnen angegriffen werden.
Aus dem Ungarischen von Peter Bognar
