Nach der Wahl ist vor der Wahl – das gilt auch in Ungarn. Ende Mai werden neue Abgeordnete in das EU-Parlament gewählt, und schon haben entsprechende Plakate die Stadt eingenommen. Auch die Kandidatin der rechtsextremen Partei Jobbik, Krisztina Morvai, wirbt für ihren Wiedereinzug.
In lebendigem Rot und mit freundlichem Lächeln strahlt sie von den Plakatwänden der Innenstadt. Daneben ein Slogan, an dem man selbst mit Entschlossenheit kaum etwas auszusetzen findet: „Europäische Rechte, europäische Löhne, im Herzen Europas!“. Darunter die ungarischen Nationalfarben Rot-Weiß-Grün und das Jobbik-Logo. Morvai selbst bezeichnet sich auf ihrem Blog www.morvaikrisztina.hu allerdings als unabhängige Abgeordnete.
Dass den Begrifflichkeiten und Aussagen von einst keine allzu große Beachtung geschenkt wird, zeigt ein anderes Beispiel.
Etwas mehr als zwei Monate ist es her, dass der Jobbik-Abgeordnete Tamás Gaudi-Nagy seinen Unmut über die supranationale Institution zum Ausdruck brachte. Gemeinsam mit dem heute unabhängigen, vormals Jobbik-Abgeordneten Balázs Lenhardt entfernte er erst EU-Flaggen aus dem Plenarsaal und warf diese dann aus dem Fenster des Hohen Hauses. Die Aktion war ihre Art des Protestes gegen die Bodenreform. Doch nicht nur hier zeigte sich die EU-skeptische Haltung von Jobbik. Noch im Januar 2012 sprach Vorsitzender Gábor Vona auf einer Demonstration davon, dass es nötig sei, aus der EU auszutreten. Doch selbst eine flammende Rede ist nichts ohne entsprechende Symbolik, also wurde, um dem Gesagten Nachdruck zu verleihen, vor jubelnden Demonstranten eine EU-Fahne angezündet.
Doch das ist alles schon Jahre beziehungsweise Monate her, manchmal muss man sein Mäntelchen einfach in den Wind hängen – schließlich sind nur alle vier Jahre EP-Wahlen.


