Am vergangenen Mittwochmorgen ereignete sich auf der Autobahn M5 in der Nähe der Stadt Kecskemét ein Autounfall mit tödlichem Ausgang: János Lázár, Staatsskretär im Amt des Ministerpräsidenten und rechte Hand von Premier Viktor Orbán, wurde in seinem Dienstwagen Richtung Budapest chauffiert, als der VW-Kleinbus mit einem Ford Fiesta zusammenprallte. Die 36-jährige Fahrerin des Fiesta, Tímea K., erlag noch an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen. Lázár und sein Chauffeur erlitten leichte Quetschungen und wurden zur Behandlung in ein örtliches Krankenhaus gebracht, von dort aber bald wieder entlassen. Die Unfallstelle wurde weiträumig abgesperrt, der Verkehr kam erst in den Nachmittagsstunden wieder zum Fließen.
„Soweit ich informiert bin, hat er keine ernsthaften Verletzungen“, sagte Kabinettchef Barnabás Balczó gegenüber dem Online-Nachrichtenportal origo.hu über seinen Kabinettskollegen. Die genauen Umstände des Unfalls bei Autobahnkilometer 109 sind noch nicht bekannt. Laut Angaben der Polizei des zuständigen Komitats Bács-Kiskun soll die Frau am Steuer vor dem Crash von der Fahrbahn abgekommen sein. Dabei soll sie die Leitplanke gestreift haben, wodurch sich ihr Auto auf der Fahrbahn querstellte. Der Chauffeur des VW Multivans, in dem Lázár saß, habe keine Chance mehr gehabt, auszuweichen, teilte ein Polizeisprecher mit. Trotz der frühen Uhrzeit – es soll etwa halb sieben gewesen sein – gab es keinen Nebel, es herrschten klare Sichtverhältnisse. Laut der örtlichen Polizei soll auch keiner der Fahrer Alkohol im Blut gehabt haben. Es wird noch untersucht, ob der Frau schlecht geworden sei oder ob ihr Fahrzeug einen technischen Mangel gehabt haben könnte.
Der Staatssekretär erschien pünktlich zum mittwöchlichen Kabinettsfrühstück und zur anschließenden Regierungssitzung. „Ich habe gerade gelesen und an Regierungspapieren gearbeitet, als in der Nähe von Kecskemét mein Fahrer aufschrie, dass in der Fahrbahnmitte ein Auto sei. Ich schaute hoch, und schon kollidierten wir, unser Kleinbus landete im Graben“, erinnerte sich Lázár gegenüber der südungarischen Zeitung Délmagyarország, „Ich weiß nicht, wie das Auto in die Fahrbahnmitte geriet. Das ist unklar, das herauszufinden ist Aufgabe der Behörden.“ Gegenüber der staatlichen Nachrichtenagentur MTI sagte er: „Das größte Unglück ist, dass ein Mensch gestorben ist. Ich kann mein Mitgefühl und meine Anteilnahme gar nicht deutlich genug ausdrücken. Ich werde die Familie der Verunglückten aufsuchen und ihnen helfen, soweit ich kann.“
Lázár, bekannt geworden als Fidesz-Fraktionschef durch seine teuren Audi-Sportwagen und abwertenden Äußerungen über Arme, wird von vielen als politischer Ziehsohn und möglicher Nachfolger Viktor Orbáns gehandelt. Der aus dem südungarischen Hódmezõvásárhely stammende Fidesz-Politiker ist nicht das erste Mal in einen Unfall verwickelt: Im Dezember 2005 überfuhr er eine Radfahrerin in seinem Heimatort. Die Frau erlitt eine Gehirnerschütterung, Lázár fuhr sie damals persönlich in ein örtliches Krankenhaus.
Der Unfall war der Höhepunkt einer Woche voller Unglücke auf den Straßen Ungarns: Bei einem anderen Unfall am Dienstag starben vier Menschen auf einen Schlag, in den letzten fünf Tagen gab es laut Polizeiangaben 15 Verkehrstote, 66 schwer- und über 130 sonstige Verletzte.

