Balaton: Trotz Wetterkapriolen gibt es leise Zuversicht
Die gesamte Tourismusindustrie am Balaton hat sich in den vergangenen Tagen wohl flugs der Sekte der Sonnenanbeter angeschlossen. Denn seit mehr als einer Woche spielt die Sonne ein nervenaufreibendes Versteckspiel. Sah man in den vergangenen Tagen gen Himmel, offenbarte sich stets eine durchgehende grauschwarze Wolkendecke, die sich immer wieder in geradezu biblischen Regengüssen entlud. Hinzu kamen Temperaturen, die dem Herbst alle Ehre machen würden.

Balatonfüred: Für die Saison 2011 hoffen viele Anbieter noch auf ein Happy End.
Kein Wunder also, dass die meisten Tourismusanbieter dieser Tage an den Lippen der Meteorologen hängen. Doch weigern sich diese beharrlich, mit der frohen Botschaft herauszurücken. Andrea Rádóczy sitzt an einem der elegant gedeckten Tische des Restaurants ihres Nobelhotels in Balatonfüred. Wie das Wetter in den kommenden Tagen sein wird? Sie gibt nur zögerlich Antwort: „Ich traue mich gar nicht mehr, irgendwelche Wetterprognosen abzugeben.“ Das Wetter in der Woche zuvor sei beispiellos gewesen, sagt sie mit bitterem Nachdruck.
Unberechenbare inländische Gäste
Wie sich das auf die Auslastung ihres Hauses, das Hotel Silver Resort, ausgewirkt hat? „Es gab viele Stornierungen vergangene Woche“, seufzt sie. Vor allem die ungarischen Gäste hätten angesichts des Wetters ihre Zimmerreservierungen abgesagt. Rádóczy erklärt: Die inländischen Gäste seien bei Buchungen und Stornierungen im Allgemeinen spontaner und unberechenbarer als die ausländischen Touristen. Auch würden die Ausländer mehr Zeit im Hotel verbringen, im Schnitt 5,3 Nächte, während Inländer durchschnittlich 2,1 Nächte bleiben.
Der sorgenvolle Blick zu Anfang des Gesprächs ist mittlerweile aus ihrem Gesicht gewichen. Trotz miesen Wetters in den vergangenen Tagen und damit verbundenen Gästeausfällen, gebe es seit einigen Tagen wieder Grund zur Hoffnung. Zuletzt seien wieder viele Buchungen eingegangen, was nach Lesart der Hoteleigentümerin nur eines bedeuten kann: Das Wetter wird wieder besser. Auf die Frage, wie das bisherige Jahr aus Sicht ihres Hotels verlaufen sei, sagt Rádóczy, dass vor allem der Konferenztourismus wieder auf Touren komme. Ende 2009 sei diesbezüglich der totale Tiefpunkt gewesen. Der Grund: die Wirtschaftskrise – was sonst. Nun erwarte sie aber auch bei den Einzelbuchungen einen spürbaren Aufschwung.
Als einen der Höhepunkte in diesem Jahr wertet sie den Monat April. Dank der EU-Ratspräsidentschaft sei ihr Hotel damals so ausgelastet gewesen wie zu dieser Jahreszeit noch nie zuvor. Sie erklärt, warum: Balatonfüred sei neben Gödöll? und Budapest der dritte Standort des EU-Ratsvorsitzes gewesen, wo Sitzungen des EU-Ministerrates abgehalten wurden. Im April hätten die EU-Minister für Telekommunikation in Füred getagt. Das Abendessen der Minister habe dann im Restaurant ihres Hotels stattgefunden, betont sie stolz. Das „Esszencia“, wie das Restaurant heißt, zählt laut dem Gastronomieblatt Magyar Konyha übrigens zur besten Adresse in Füred.
Bayern als Zugpferde des Füreder Tourismus
An der durch Füred führenden Hauptverkehrsstraße 71 sticht auf der gegenüberliegenden Seite des leer stehenden realsozialistischen Betonungetüms „Hotel Füred“ auf einer grellgelben Tafel in roten Lettern das Wort „Zimmer“ ins Auge. Eine Unterkunftsvermittlung. Ihr etwas prosaischer Name: Ingamax. Ungeachtet der diesjährigen Wetterkapriolen versprüht Inhaber Ferenc Gubicza Optimismus. Dies hat einen guten Grund: Bald rolle nämlich die bayrische Welle über Balatonfüred. Gubicza erklärt: „Als echte Hochsaison betrachten wir jenen Zeitraum von drei vier Wochen, wenn die bayrischen Touristen bei uns auf Urlaub sind.“ In den vergangenen Jahren seien sie entweder in der letzten Juli- oder der ersten Augustwoche nach Füred gekommen. Die „besten Touristen“ seien die Bayern auch deshalb, so Gubicza, weil sie in der Regel zwei Wochen in Füred bleiben. Bei den ungarischen Touristen sei eine Woche Aufenthalt das Maximum, im Schnitt blieben die Inländer aber nur drei bis vier Tage.
Welche Nationen es neben den Bayern noch hierher zieht? In diesem Jahr habe es einen Zuwachs an tschechischen, slowakischen, polnischen und russischen Gästen gegeben, sagt Gubicza. Ansonsten hielten sich die in- und ausländischen Touristen aber die Waage. Das war früher nicht so. „Vor sechs, sieben Jahren waren noch 95 Prozent der Kunden Ausländer.“ Die inländischen Gäste sind am Balaton demnach auf dem Vormarsch – zumindest in Füred.
Ferenc Gubicza vermittelt „ausschließlich Privatunterkünfte“. Es sind etwa hundert an der Zahl, 90 Prozent in Füred, der Rest in Csopak und Tihany. Die Preise reichen von 3000 bis etwa 9000 Forint pro Kopf, „je nach Anspruch“, sagt er. Bei den teureren Privatunterkünften seien zumeist Klimaanlage und Schwimmbecken dabei. Wie die Saison bisher verlaufen ist? „Da gibt es zwei Antworten“, so Gubicza. Wenn man die Statistik heranziehe, sei ein Gästerückgang von „einigen Prozent“ zu sehen. Gehe es nach seinem „eigenen Gefühl“, habe es dagegen keinen Rückgang gegeben, findet er.
