Gesucht: neues Zuhause ohne Qualen
Der Tierschutz ist in Ungarn in einer schwierigen Situation. Einerseits fehlt die gesellschaftliche Akzeptanz, andererseits fehlen stützende Gesetze. Nichts desto trotz gibt es motivierte Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Situation zu verbessern, so zum Beispiel die Füzesabonyer Tierschutz Stiftung.

Zsanett Molnár: „Sie verstehen unsere Worte nicht, vermögen aber unser Verhalten zu deuten.”
„Das Licht am Ende des Tunnels ist noch nicht zu sehen, aber wir versuchen hier und da eine Kerze aufzustellen,“ so beschreibt Zsanett Molnár, Gründerin der Füzesabonyer Tierschutz Stiftung, die Arbeit der Tierschützer. Ihre Aufgaben? In Not geratenen Tieren zu helfen, indem sie ihnen übergangsweise eine Unterkunft suchen, ihre medizinische Versorgung sicherstellen um dann ein neues, schöneres Zuhause zu vermitteln. Aufgaben, die laut Zsanett normalerweise von der Gemeinde übernommen werden müssten. Ein Tierheim betreibt die Stiftung allerdings nicht, dies wäre auch angesichts der Tatsache, dass die ganze Arbeit an zwei Personen hängenbleibt, die noch dazu ehrenamtlich neben ihrem Beruf tätig sind, eine nicht zu stemmende Herausforderung. Denn auch so gibt es viel zu viel zu tun. Misshandelte, ausgehungerte, streunende Hunde und Katzen gehören leider zur Tagesordnung. Der körperliche Gesundheitszustand der Tiere ist da noch vergleichsweise das kleinere Problem. Was bleibt, seien die langwierigen seelischen Probleme der Vierbeiner, die auf falsche Haltung zurückzuführen sind. Um dies zu verhindern steht die Institution mit Rat und Tat zu Tiererziehung und artgerechter Haltung bereit. Besonders wichtig sei hierbei das Thema Kastration, da dadurch ungewollter Nachwuchs verhindert werden könne. Hierzu steht die Stiftung falls nötig mit wichtigen Ratschlägen zu Seite. Es ist schon manchmal sehr deprimierend, wenn man sieht, wie viel Leid die armen Tiere ertragen müssten, und das trotz der unermüdlichen Arbeit, berichtet Zsanett.

Das lieb gehabte Haustier ist lästig geworden.
Der Alltag eines Tierschützers
Kettenhunde an denkbar kurzen Ketten, auf sich allein gestellte Hunde und Katzen in Wäldern, Dörfern und Städten, hoffnungslose Welpen, trächtig ausgesetzte Hündinnen, verschmutzte, leere Fressnäpfe, oder Tiere die trotz bester Gesundheit auf ihre Einschläferung warten, die Liste ist lang. Aber so sehen die Alltagsprobleme eines Tierschützers aus. „Schockierend.“ Neulich habe man die Hündin Olivia aus dem Abwasserbecken einer Schweinefarm retten müssen. „Glücklicherweise hat sie sich durch unsere Hilfe schnell wieder erholt.“ Für einen anderen Hund, den sie am selben Ort gefunden haben, kam allerdings jede Hilfe zu spät. Aber mit solchen Rückschlägen müsse man eben leben. Eine weitere Schwierigkeit ist die fehlende Bereitschaft, in Not geratene Tiere aufzunehmen. Das Hauptproblem jedoch sei das für die Hilfe nötige Geld. Die Stiftung finanziere sich ausschließlich aus Spenden, die meist von hilfsbereiten Privatpersonen kommen, dies reiche aber gerade mal, um die Grundkosten zu decken. Leider verschlinge die aufwendige Suche nach Spendern sehr viel kostbare Zeit, die man besser den Tieren widmen sollte. Dabei hat Zsanett noch so viel vor: „Leider können wir immer noch nicht allen Tieren helfen, zusätzlich müsste man Kastrations-Kampagnen organisieren.“ Warum sie das bei all den Schwierigkeiten auf sich nimmt? „Es gibt kein Zurück mehr.“ Die Institution sei die einzige Hoffnung für die armen Tiere, jedes einzelne Tier sei die Anstrengungen wert. Zsanett gerät ins Schwärmen. „Sie verstehen unsere Worte nicht, vermögen aber unser Verhalten zu deuten und durch ihre ehrlichen Augen und ihre Körperhaltung entsteht eine Verbindung zwischen Mensch und Tier, die nichts verschweigt.“

„Durch ihre ehrlichen Augen entsteht eine Verbindung zwischen Mensch und Tier.”
Das Hauptproblem ist die gesellschaftliche Einstellung
Die Gründe für die schlechte Situation der Haustiere in Ungarn sind in der gesellschaftlichen Einstellung zu suchen. Dabei wollen sie doch alle ein Haustier, schließlich bewacht es das Haus, fängt Mäuse oder leistet uns Gesellschaft. Doch genauso schnell wird es auch nutzlos. Es fehlt die Zeit, sich mit dem Tier zu beschäftigen, das Geld für dessen Unterhalt oder der Wille zur Verantwortung, die ein Haustier verlangt. Man ist umgezogen und in der neuen Wohnung sind Haustiere nicht erlaubt. Die Gründe sind vielfältig, die Konsequenz schnell gezogen: Man möchte das anfänglich so lieb gehabte Haustier schnell wieder loswerden. Das Tier ist lästig geworden, und das werde ihm auch gezeigt, in solchen Situationen wird sehr häufig Gewalt gegen das Tier angewendet. Einen neuen würdigen Besitzer suchen? „Nein, das ist zu umständlich.“ Die Alternativen? Aussetzen, erschießen lassen, einschläfern lassen. Dies zu verhindern ist eine der Hauptaufgaben der Füzesabonyer Tierschutz Stiftung. Leider fehlt, bei aller Schwierigkeit, auch die öffentliche Unterstützung. In Ungarn kann man legal sein Haustier erschlagen, ertränken, erschießen lassen oder vom Tierarzt einschläfern lassen, sollte es nicht mehr erwünscht sein. Bei Tiermisshandlung verschließt die Polizei zumeist die Augen. Gelingt es doch, ein Tier aus seiner misslichen Situation zu befreien, stellt sich die Schwierigkeit, dem Tier ein neues Zuhause zu suchen. Schließlich soll das neue Haustier auch gesund, reinrassig und am besten auch noch jung sein. Es sei manchmal zum Verzweifeln, aber die Tierschützer haben Ausdauer: „Wir geben trotzdem nicht auf!“ Abschließend hat Zsanett eine Botschaft an uns alle: „Adoptieren statt kaufen, solange herrenlose Tiere auf der Straße sterben.“
