Der Fluss ist unsere Zukunft
Die Donauraumstrategie beschäftigt die Europäische Union nun bereits seit über einem Jahr. Insgesamt 14 Staaten sind betroffen, in denen vor allem die wirtschaftlichen und sozialen Unterschiede angegangen werden sollen. Die Konferenz im Slowakischen Institut Budapest vergangene Woche konzentrierte sich auf die Möglichkeiten im kulturellen Sektor.

Gottfried Wagner aus Österreich bei seinem Vortrag.
Unter dem Titel „The Danube Joints Us“ (Die Donau verbindet uns) trafen sich am 26. und 27. Mai Vertreter aus acht Nationen. Mit dem Ziel, die Bedeutung des gemeinsamen kulturellen Erbes hervorzuheben, stellten knapp 20 Redner ihre Ideen sowie Projekte zu diesem Thema vor. Die berührten Aspekte waren vielfältig – Museumsarbeit, Literatur, Bildung und Markenpolitik sind nur einige Beispiele. Erfreulich ist, dass mit Serbien und Kroatien auch zwei Länder vertreten waren, die noch nicht zu den Mitgliedstaaten der EU zählen.
Museumsarbeit in neuen Formen
Zelimir Koscevic, Kunsthistoriker und Universitätsprofessor, präsentierte drei Museumsprojekte für diese Region. Die rein privaten Initiativen stellen eine Neuerung der traditionellen Museumsarbeit dar, da nicht-staatliche Museen in diesem Bereich eher selten zu finden sind. Das „Museum Macura“ steht nördlich von Belgrad (Serbien), nur 300 Meter vom Donauufer entfernt. In diesem Kubus, der vom Kunstsammler Vladimir Macura teilweise auch als Wohnraum genutzt wird, finden sich Werke aus dem Surrealismus, Dadaismus, Konstruktivismus und der Wiener Aktionskunst. Er selbst sieht sein Museum als „Haus für die Kultur“, welche scheinbar eng mit Traditionsbewusstsein verknüpft ist: Die Inschrift des Museums lautet „Für mein Volk“.
Auf der anderen Seite der Grenze stellt „Sudac“ die größte private Avantgarde-Sammlung der Donauregion dar, in der sich des Weiteren viele ungarische Künstler finden. Da die Sammlung noch kein festes Gebäude hat, stellt sie sich zurzeit als virtuelles Museum im Internet vor. Eine Ausstellung mit regimekritischen Werken der letzten Jahrzehnte wird in Kürze auf dem Marine-Schulschiff „Seagull“ in Rijeka (Kroatien), zu sehen sein.
Diese Projekte bilden ein Beispiel für den, während der Konferenz immer wieder geäußerten, Wunsch, kulturelle Innovationen zu fördern und somit das gemeinsame kulturelle Erbe der Donauregion zu betonen. Dabei soll über Landesgrenzen hinaus und mehr in regionalen Kategorien gedacht werden.
Kulturelle Plattform zur besseren Koordination
Die transnationale Zusammenarbeit war auch das zentrale Anliegen von Márton Méhes, Direktor des Collegium Hungaricum in Wien. Seine Idee eines kulturellen „Clusters“ soll eine Plattform für den Austausch bereits existierender, nationaler Netzwerke bieten. Dabei stehen die kulturellen Akteure im Vordergrund. Méhes hält jedoch die Wirtschaft als direkten finanziellen Unterstützer und Organisator kultureller Projekte für einen ebenfalls wichtigen Mitspieler. Gegenseitiger Informationsaustausch von allen Seiten sei das Mittel der Wahl, um etwa Workshops und finanzielle Förderung für alle zugänglich zu machen.
Er bezog sich hierbei auch auf seinen Vorredner Michal Cerny aus der Tschechischen Republik, der über die Möglichkeit der Markenbildung im Donauraum sprach. Laut Méhes bestehe die Chance einer solchen Markenbildung in der Entwicklung von Projekten, welche auf die Flussregion ausgerichtet sind. Als Beispiel nannte er die bereits existierende Präsentation des „Donauforums“ auf den großen Buchmessen in der Region. Darüber hinaus könne man aber weitere Veranstaltungen andenken, wie etwa eine Donau-Kulturmesse oder -Expo.
Ein Aufruf an die Verantwortlichen
Neben solchen konkreten Beispielen und Ideen gab es auch Vorträge, die allgemeiner ausgerichtet waren. So gab Gottfried Wagner als Gesandter des österreichischen Bundesministeriums für Bildung, Kultur und Kunst einen Überblick über die Standpunkte der Verantwortlichen. Dabei beschrieb er die Situation als paradox. So habe sich Brüssel gegen eine neue Gesetzgebung, neue Institutionen und mehr Geld zur Förderung ausgesprochen, während die Mitgliedsstaaten eine bessere Koordination, die effizientere Nutzung von Ressourcen sowie mehr kreative Ideen anstrebten. Wagner betonte, dass die Donau sehr arme und ebenso reiche Länder miteinander verbindet. Besonders im Osten sei das Potential für Wachstum groß. Im Gegensatz dazu gebe es jedoch Regionen, welche regelrecht zusammenschrumpften, und diese Gebiete bräuchten eine neue Strategie.
Hier setzt Wagner provokatives Statement an: „Kultur braucht keine Donauraumstrategie. Aber die Donauraumstrategie braucht die Kultur.“ Der Strom der künstlerischen Produktion in der Region habe nie abgenommen. Allerdings könne die Kunst Investoren heranziehen und so dazu beitragen, die Region attraktiver zu machen. Diese Investition in das „Profane“, sprich die Kultur, sei nötig, um die Lebensbedingungen der Einwohner zu verbessern. Dabei müsse der Begriff weiter gefasst werden, Kultur beinhalte auch immer den wirtschaftlichen Faktor des Tourismus. Jedoch würden die Budgets der Städte und Länder in diesem Bereich immer weiter reduziert, daher wäre finanzielle Unterstützung dringend nötig. Wagner möchte des Weiteren klarstellen, an wen er seine Forderungen richtet: Nicht nur an die Ungarische Ratspräsidentschaft, sondern vor allem an Rumänien und Bulgarien, welche für die kulturelle Koordination innerhalb der Donauraumstrategie verantwortlich sind.
Donauraum als Markenzeichen
Bereits in seiner Eröffnungsrede formulierte Géza Entz, Chefberater des Staatsekretärs im Ungarischen Ministerium für Nationale Ressourcen, seine Wünsche in Bezug auf die Konferenz. Seiner Meinung nach stärkt die Donauraumstrategie die EU, und die Kultur stärkt den Aktionsplan. Die Ungarischen Projektvorschläge hätten zum Ziel, das kulturelle Erbe grenzübergreifend zu bewahren und zu festigen, sowie die Schauplätze dieses Erbes für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Kultur und Tourismus seien eng miteinander verknüpft. Daher sei es nötig, die Kommunikation zwischen den verschiedenen Kulturen zu fördern, sowie die Vielfalt eben dieser zu stärken. Der Donauraum könnte zu einem wichtigen Markenzeichen werden, und somit auch in Konkurrenz zu anderen Makroregionen treten.
