Die Krise ist überall. Sogar bei kulturellen Ausschreibungen wie der ARC-Plakatausstellung hielt die Wirtschaftskrise Einzug und wurde zum Hauptthema des Wettbewerbs. „Restart – Wie würdest Du anfangen?“ war der Titel der Ausschreibung, die in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal stattfindet und wirklich von der Krise inspiriert wurde. Seit dem 3. September stehen die kreativen Riesenplakate wieder am 56-osok tere in der Nähe des Heldenplatzes und zeugen bis zum 22. September von der visuellen und verbalen Kreativität der Ungarn.

Auch wenn der Titel „Restart“ förmlich zum Politisieren – dem Lieblingshobby der Ungarn – aufgefordert hatte, waren zur Überraschung der Jury viele Werke eher vom persönlichen Leben der Schöpfer inspiriert. Laut Jury-Mitglied Eszter Babarczy hätten viele die Restart-Funktion des Computers als Grundlage genommen. So beispielsweise Szandra Karvalits bei ihrem Werk „Die Glut“ („A gyertyák csonkig égnek“). Auch das biblische Adam-und-Eva-Motiv wurde des Öfteren aufgegriffen.
„Die Enttäuschung von der Politik erschien wider Erwarten nicht mit Bitterkeit und Wut, sondern wurde mit Ironie geschildert. Das zeugt von einer mündigen Demokratie“, analysierte Eszter Babarczy die eingesandten Werke.
Überhaupt hatten die Organisatoren wesentlich mehr politisch angehauchte Werke erwartet. Schaut man allerdings die Ausstellung an, staunt man über diese Aussage, denn der Großteil der ausgestellten Plakate hat sehr wohl etwas mit Politik zu tun. Offensichtlich war die Freude über die persönlichen Werke nicht so groß, dass man sie auch ausgestellt hätte.

Neue Form der Kommunikation
Den ersten Preis erhielt Tamás Kovács für sein Werk „Önerő“. Auf Platz 2 steht „…ohne Titel“ von Frau Takács: Das Symbol der Revolution von 1956, eine Trikolore mit ausgeschnittenem Wappen, ist hier sichtlich geflickt und durch eine neue Flagge ergänzt worden. Sehr amüsant sind aber auch „BKV Sisyphus“ von Gábor Tóth, auf dem das fahrradhaltende Symbol von Critical Mass mit dem Slogan „Critical Bus“ einfach auf die Budapester Verkehrsbetriebe umgemünzt wurde, oder Gabriella Potsas „Relax“ mit einem Liegestuhl in den ungarischen Nationalfarben. Ebenfalls politisch angehaucht ist „UCOP“ von Tamás Lippai, der die Werbung von ,,United Colors of Benetton" für das ungarische Parlament verwendet hatte. Kulturplakat des Jahres wurde bereits zum zweiten Mal hintereinander ein Werk von Andrej Tóth: Der Titel des diesjährigen Siegerplakats lautet „Vive“, es entstand zum 6. Geburtstag des Kulturschiffs A38.
Wie ARC-Gründer Péter Geszti sich erinnerte, sei der Plakatwettbewerb vor zehn Jahren entstanden, „um der visuellen Umweltverschmutzung ein Ende zu setzen, damit die Plakate im öffentlichen Raum ein höheres Niveau erreichen.“ ARC habe dieses Ziel zwar nicht erreicht, aber zumindest seien Jahr für Jahr innovative Ideen eingereicht worden. Der Wettbewerb und die Ausstellung haben sich inzwischen zu einer neuen Form der Kommunikation entwickelt, die das Gedankengut unterschiedlichster Gesellschaftsschichten widerspiegeln kann.
