Wer hat sich bei einer Ausstellung von zeitgenössischer Kunst nicht schon mal gedacht „Was will uns der Künstler damit sagen?“ In der 6. FRISS Ausstellung, in der die Absolventen der Akademie der Bildenden Künste ihre Diplomarbeiten vorstellen, kann man dies jetzt und noch bis zum 20. September erfahren.
Unter dem Leitmotiv „Der Blick“ finden sich im Kogart-Haus Abschlussarbeiten angehender Maler, Bildhauer und Mediendesigner. Auf zwei Etagen kann der Betrachter den Blick des Künstlers kennenlernen. Denn dort, wo in großen Galerien ein kleines Schild den Urheber, Titel und das Material verrät, geht man hier auf eine sehr persönliche Reise: man liest sich durch die philosophischen, kultur- und gegenwartskritischen Erläuterungen der Künstler, und das entweder auf englischer oder ungarischer Sprache. So gibt die Ausstellung nicht nur Einblick in aktuelle Kunst, sondern auch in die Gedanken junger Ungarn zu ihrem Land.
Die Ausstellungsräume sind dafür gut gewählt. Die sehr unterschiedlichen Werke der nahezu 30 Studenten haben in den hellen Hallen genug Platz um wirken zu können.
Wer erwartet hier auf neue, nie dagewesene Kunst zu treffen, wird feststellen, dass die Ausstellung mehr eine Zeitreise durch die Kunstgeschichte des letzten Jahrhunderts ist. Denn neben abstrakter Ölmalerei findet man klassische Landschaftsbilder von Marseille, ebenso wie kubistische Pferdeskulpturen aus Holzscheiten, Pop-Art-Motive der Alltags- und Konsumwelt wie Salzstreuer, neonbeleuchtete Jugendherbergsbetten aus Parafin und bunte, menschengroße Lollipops. Wer es lieber ungewöhnlicher und medial mag, der kommt auf der zweiten Etage auf seine Kosten: dort erlebt man aktuelle Videokunst. Auf der einen Seite zeigt eine minimalistische Aufnahme aus der Vogelperspektive die Beine zweier Liebenden beim Französischlernen, in der anderen Ecke zerbohrt ein Stoffbär laut und aufdringlich eine Gitarre, eine Anspielung auf die Dissonanzen der heutigen Welt. Leider können die Werke auf dieser Etage nicht richtig wirken, denn zu viele verschiedene Eindrücke prasseln gleichzeitig auf den Besucher ein. Ein kleines Highlight der Ausstellung befindet sich dennoch in einem fast unscheinbaren Nebenraum. Hier taucht man in die Tiefen der Meere und die ruhige Welt des Angelsports ein. Die einzigen Lichtquellen befinden sich hinter schwarzen Papierleinwänden, so kommen große, schillernde Fische zum Vorschein und man wägt sich teil eines Lichtspiels unterhalb der Wasseroberfläche.
Wie jedes Jahr wird gegen Ende des Ausstellungszeitraumes an einen der Absolventen der Kogart-Preis verliehen, ein 1.200.000 Forint schweres Stipendium der Kovács Gábor Art Foundation. Das Besondere dabei ist, dass nicht nur Kunsthistoriker und Kuratoren in der Jury sitzen, sondern auch die Besucher einen Wahlzettel ausfüllen können. Allerdings liegen diese nirgendwo aus und auch das anwesende Personal ist für weiterführende Fragen leider keine Hilfe.
Die Ausstellung ist für alle, die endlich eine Antwort auf die Frage nach der Intention der modernen Künstler bekommen wollen und es vorziehen, Kunst hautnah zu erleben, denn hier wird man dazu eingeladen, den Kunstwerken nahe zu kommen – ein durchaus lohnenswertes Erlebnis.
FRISS 2009
Kogart-Haus
VI. Adrássy út 112
Tel.: 354 3820
www.kogart.hu
Geöffnet: Montag bis Samstag 10-17 Uhr
Sonntag 10-20 Uhr
