Ungarn erinnerte sich am Freitag vergangener Woche eines schandbar düsteren Kapitels seiner Geschichte: der Entrechtung und Vertreibung Hunderttausender Ungarndeutscher vor 60 Jahren. Aus diesem Anlass wurde im ungarischen Parlament unter der Schirmherrschaft der ungarischen Parlamentspräsidentin Katalin Szili eine Gedenkkonferenz mit dem Titel "Mit einem Bündel…“ veranstaltet.
In ihrer Eröffnungsrede streute sich Szili im Namen ihres Landes Asche aufs Haupt. Szili sagte: ,,Ungarn war immer stolz darauf, ein Gastland für fremde Kulturen zu sein. Und dennoch: Innerhalb der Mauern dieses Gebäudes (Parlament) wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unzählige Gesetze verabschiedet, die die Ausgrenzung verschiedener Völker zum Inhalt hatten. Wir Politiker haben die Pflicht, im Namen jener, die für die schändlichen Entscheidungen verantwortlich waren, um Entschuldigung zu bitten. Und als Richtschnur für die Zukunft müssen wir den Satz wiederholen: Nie wieder!“
Der Präsident des Deutschen Bundestages, Norbert Lammert, ging in seiner Festrede zunächst auf die besonderen Verdienste Ungarns um die Wiedervereinigung Deutschlands ein: ,,Wir Deutsche wissen sehr genau, welch großen Anteil Ungarn an der Überwindung der deutschen Teilung hatte. Ungarn hat den ersten Stein aus der Berliner Mauer geschlagen.“ Mit Blick auf die Entrechtung und Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg sagte Lammert: ,,Die Ungarndeutschen gehören zu denjenigen, die für die Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands mit unermesslichem Leid, mit dem Verlust ihrer Heimat, ihres Besitzes und ihrer Wurzeln büßen mussten.“ Zugleich aber verwies der Präsident des Deutschen Bundestages auf das ,,Landesdenkmal der Vertreibung“ in Budaörs. Laut Lammert ist dieses nicht nur ein ,,sichtbares Zeichen der Anerkennung des an Deutschen begangenen Unrechts“. Ungarn habe mit diesem Denkmal auch der Erinnerung und Aussöhnung Raum gegeben.
Unter den weiteren Rednern der Gedenkveranstaltung waren unter anderen der ungarische Kanzleramtsminister Péter Kiss, der ehemalige Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (MTA), Ferenc Glatz, und der namhafte Schriftsteller György Konrád. Die Gedenkkonferenz wurde auch von einer Ausstellung über die Vertreibung der Ungarndeutschen begleitet.
