Polizei vermutet einen Verbrecherring
In den Vororten der nordenglischen Stadt Manchester wird mit ungarischem Bezug wegen des Verdachts auf Menschenhandel und Prostitution ermittelt. Nachdem bereits die dritte ungarische Frau sich an die Behörden gewandt und ausgesagt hatte, ihr sei ein legaler Arbeitsplatz in Großbritannien versprochen worden, sie sei aber stattdessen zur Prostitution gezwungen worden, glaubt die Polizei nicht mehr, dass es sich um einen Einzelfall handelt, sondern um einen Verbrecherring.
Am 31. Oktober sagte eine 36-jährige Frau bei der Polizei aus, sie sei aus einem Haus im Boltoner Bezirk Halliwell geflüchtet, wo sie drei Wochen lang gefangen gehalten worden sei. Während dieser Zeit habe sie tagsüber in einer Fabrik arbeiten müssen. Nachts sei sie durch die Stadt gefahren worden, wo sie zum Sex mit Männern – öfter auch in Gruppen – gezwungen worden sei. Kurze Zeit später wurden zwei Männer festgenommen.
Vier Ungarn festgenommen
Erst einen Tag zuvor hatte die Polizei in einem Haus im Boltoner Vorort Deane eine Razzia durchgeführt und vier Ungarn festgenommen: drei Männer im Alter von 46, 27 und 19 Jahren und eine 49-jährige Frau. Der Razzia war die Aussage einer 19-jährigen Ungarin vorausgegangen, die am 19. Oktober in Deane ankam, um als Haushälterin zu arbeiten. Stattdessen wurden ihr die Papiere weggenommen und sie musste als Prostituierte arbeiten. Nach fünf Tagen gelang ihr die Flucht und sie alarmierte die Polizei.
Im Juli hatte die Polizei zwei Ungarn, eine 19-jährige Frau und einen 48-jährigen Mann, festgenommen, nachdem eine ebenfalls 19-jährige Ungarin ausgesagt hatte, sie sei zum Sex gezwungen worden. Ein Boltoner Gericht entschied am 2. November, den festgenommenen Mann namens Imre Orsós, der die Vorwürfe des Menschenhandels bestreitet, in Haft zu behalten. Sein Prozess wird im März kommenden Jahres beginnen.
Freier zur Aussage aufgefordert
Bislang sind in diesem Jahr in der Umgebung von Bolton acht Verhaftungen wegen des Verdachts auf Menschenhandel und Prostitution mit Ungarn vorgenommen worden, vier Menschen wurden angeklagt. Laut Medienberichten war die Polizei ursprünglich nicht sicher, ob diese Fälle miteinander im Zusammenhang stehen. Nach dem letzten Vorfall aber sagte der Beamte, der die Ermittlungen leitet, auf einer Pressekonferenz: ,,Wir haben einen Punkt erreicht, an dem es so aussieht, als gebe es eine Struktur. Wir untersuchen jetzt den Umfang und die Natur dieser Struktur.“
Paul Hitchen forderte die Männer, die in der Gegend von Bolton für Sex bezahlen, zur Aussage auf. ,,Ich kann Prostitution nicht ignorieren, aber ich möchte jeden Mann, der in Bolton zu Prostituierten geht und etwas gesehen hat, bitten, uns zu kontaktieren“, sagte er. ,,Obwohl diese Frauen kein Englisch gesprochen haben, war klar, dass sie keine Prostituierten sind.“
Für 3.000 Pfund verkauft
Im Januar 2007 waren zwei Ungarn, Andrea Börcsök und Attila Mákai, in Großbritannien zu einer Haftstrafe von 28 Monaten und 40 Monaten verurteilt worden, weil sie Menschen ins Land gebracht hatten, um sie zur Prostitution zu zwingen. Sie waren nach einer Razzia in einem ,,Massagesalon“ in Birmingham verhaftet worden. Vor Gericht sagten ungarische Frauen aus, sie seien über Anzeigen im Internet, in denen ihnen Jobs bei einem Escortunternehmen angeboten worden seien, nach Großbritannien gekommen. Das Paar habe seine Opfer dann für 3.000 Britische Pfund (4.306 Euro) an Albaner ,,verkauft“.
