Seit dem 1. September 2006 ist Oberst a. D. Imre Kovács Ungarn-Beauftragter des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Zuvor war er Militärattaché an der ungarischen Botschaft in Berlin.
Was ist Ihre Aufgabe?
Vor allem die Vertretung des Volksbundes in Ungarn gegenüber staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen. Außerdem unterstütze und berate ich die Arbeit des Volksbundes in Ungarn. Daneben kümmere ich mich bei Volksbundaktivitäten in Ungarn auch um eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit. In Abstimmung mit der Bundesgeschäftsstelle in Kassel helfe ich bei ganz konkreten Einzelprojekten mit. Schließlich unterstütze ich von ungarischer Seite den Jugendaustausch im Rahmen des Volksbundes. Jedes Jahr gibt es für Jugendliche Sommerlager, die sich der Pflege der insgesamt 450 deutschen Soldatenfriedhöfe in ganz Europa widmen. Das ist eine besonders schöne, weil völkerverbindende Aktivität.
Gibt es bei Ihrer Arbeit Probleme? Wo sehen Sie Handlungsbedarf?
Die Zusammenarbeit zwischen dem ungarischen Staat und dem Volksbund ist problemlos. Handlungsbedarf sehe ich bei der noch immer großen Zahl an Einzelgräbern bei Gemeinden. Deren Pflege und Unterhalt sind oft nicht mehr sichergestellt. Hier heißt es manchmal: schnell handeln, bevor es zu spät ist. Ein noch ernsteres Problem ist, dass unsere Friedhöfe in der Nacht nicht bewacht sind und es immer wieder Fälle von Buntmetalldiebstahl gibt. Aber das ist ein Problem, mit dem alle Friedhöfe in Ungarn konfrontiert sind.
Die Mammutarbeit des Volksbundes in Ungarn ist seit etwa fünf Jahren geschafft und trotzdem wurde Ihre Position erst jetzt eingerichtet. Warum erst so spät?
Solange in Ungarn Exhumierungen und sonstige Arbeiten im großen Stil liefen, waren ständig Vertreter des Volksbunds vor Ort in Ungarn. Das ist jetzt nicht mehr der Fall. Um dennoch permanent einen Ansprechpartner vor Ort zu haben, ernennt der Volksbund in den bearbeiteten Ländern stets einen Beauftragten. Eine Position wie die meine gibt es beispielsweise auch in Frankreich, Luxemburg, Polen und Belgien.
Woran arbeiten Sie zurzeit?
Am 2. November war ich in Pécs bei einer offiziellen Kranzniederlegung. Dabei habe ich vom dortigen Honorarkonsul der Bundesrepublik László Korinek eine schriftliche Bitte von Anwohnern der Ortschaft Magyarboly erhalten. Auf dem Friedhof der kleinen Ortschaft ruhen 40 Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg. Bisher wurde die Anlage von einigen Anwohnern gepflegt. Da dies wegen des Alters und Gesundheitszustands der bisherigen Pfleger immer schwieriger wird, wurde die Bitte an mich herangetragen, die Pflege der Gräber durch den Volksbund zu übernehmen.
